Das Fest des schwarzen Nazareners auf den Philippinen

Die Philippinen sind das einzige asiatische Land mit christlicher Mehrheit: Rund 80 Prozent der knapp 103 Millionen Einwohner sind Katholiken. Dies spiegelt sich in den Traditionen und Festen der Philippinen wieder. Dabei steht kein Ereignis mehr für den fest verankerten Glauben, als das ‚Black Nazarene‘ Fest in Manila. Jährlich am 9. Januar pilgern Millionen von Filipinos zur Basilika von Quiapo nach Manila um den ’schwarzen Nazarener‘ zu berühren. Im Jahr 2019 kamen 5 Millionen Gläubige und auch heute erwartet Manila wieder Millionen von Pilgern. Keine Veranstaltung der Philippinen hat mehr Teilnehmer als das ‚Black Nazarene‘-Fest.

Der Schwarze Nazarener – Hoffnung auf ein Wunder

Black Nazarene Philippinen Figur in Kirche Quiapo
‚Black Nazarene‘ Statue in der Basilika von Quiapo (Foto: pressenza.com)


Der schwarze Nazarener ist eine lebensgroße Statue von Jesus Christus und dem Kreuz. Sie symbolisiert den Leidensweg Christi. Im Jahr 1607 brachten Missionaren aus Mexiko die Statue auf die Philippinen, wo sie zunächst in der Kirche von Intramuros ein zu Hause fand. Seit dem Jahr 1787 ist die Statue in der Basilika des Stadtteils Quiapo zu bewundern. Mit der jährlich am 9. Januar stattfindenden Prozession stellen die Filipinos nach, wie man damals die heilige Statue von der Kirche in Intramuros zur Basilika von Quiapo überstellte.

Seit dem Umzug in die Basilika von Quiapo hat die Statue schon einiges erlebt. 1791 brannte die Basilika fast vollständig aus, 1863 zerstörte ein starkes Erdbeben das Gotteshaus schwer. Der schwarze Nazarener jedoch blieb bei beiden Ereignissen unbeschädigt. Und auch als die Basilika im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert wurde, blieb die Statue unversehrt. Deshalb glauben viele Filipinos, dass der schwarze Nazarener besondere Kräfte hat und durch seine Berührung Wunder geschehen.

Die Prozession – die Berührung der ‚Black Nazarene‘ Statue als Ziel

Während der Prozession ziehen Teilnehmer die ‚Black Nazarene‘ Statue auf einer Art Kutsche an Seilen. Die meisten Besucher versuchen zur Kutsche vorzudringen, um sie zu ziehen oder zumindest eines der Seile für einen Moment zu berühren. Diese, fungieren als „virtuelles Kreuz“ für all die Anhänger, die zu weit weg stehen um sich der Statue zu nähern. So soll das Anfassen der Seile auch Wunder bringen.

Black Nazarene Philippinen Seil
Gläubige Männer ziehen das Seil der Black Nazarene Statue und erhoffen sich, dass ihre Wünsche in Erfüllung gehen. Die meisten Teilnehmer tragen gelbe oder weinrote T-Shirts, wie die Farben der Samttunika, die die Statue trägt. (Quelle: Flickr, John Javellana)

Sich dem Schwarzen Nazarener zu nähern oder gar zu berühren, braucht viel Ausdauer und Fitness. Die Pilger schubsen, stoßen und klettern über andere um ihrem Ziel nahe zu kommen. Fußverletzungen, Knochenbrüche, Ohnmacht und Atemnot sind nicht selten. Im letzten Jahr mussten bereits in den ersten Stunden 450 Menschen mit Schwächeanfällen behandelt werden. Verständlich, dass Frauen an der Hauptprozession aus Sicherheitsgründen nicht teilnehmen dürfen. Der Glaube an die besondere Kraft des schwarzen Nazareners ist so stark, dass viele bis zur Erschöpfung nicht aufgegeben. Von einer Berührung erhoffen sie sich heilende Wirkung. Oft genutzt wird auch die Methode, den Trägern der Statue ein Tuch zu zuwerfen, das diese dann an der Statue reiben und mit heilenden Kräften aufladen. Anschließend wird das Tuch wieder in die Masse zurück geworfen. Nach der Hauptprozession folgt ein langer Zug mit weiteren Statuen. Hier ist schließen sich auch Frauen an.

Die Motivation – Ausdruck der Gläubigkeit

Wegen des Andrangs dauert die ‚Black Nazarene‘ Prozession bis zu 20 Stunden. Aber warum tun sich viele Filipinos diesen Stress an?

Black Nazarene Philippinen
Um Hingabe zu Jesus zu zeigen, nehmen viele Filipinos barfuß an der Prozession teil. (Foto: dpa)

Der Schlüssel zu diesem Phänomen ist das Leiden Christi. Die Anhänger identifizieren sich mit dem Bild von Jesus. Für sie sind die Strapazen der Prozession einerseits Buße, andererseits eine Nachahmung von Jesus Weg nach Golgatha. Die Pilger leiden selbst mit, indem sie im Menschengedränge bei extremer Hitze stundenlang die ‚Black Nazarene‘ Figur ziehen, viele dabei sogar barfuß, wie es auch Jesus war. Fasst man die Statue an oder hält eines der dicken Seile, die die Statue ziehen, geschehen Wunder und Gebete werden erhört, so der Glaube. Die ‚Black Nazarene‘ Stature kann Krankheiten heilen – sogar unheilbare, sagen viele Anhänger. Andere glauben, sie könne Bitten gewähren, Bedürftigen helfen und Sünden vergeben.

Glaube, Dankbarkeit und Hoffnung – die Tugenden der Filipinos

Während viele Besucher des philippinischen ‚Black Nazarene‘ Festes mit persönlichen Gebeten und Absichten kommen, kommen viele auch ’nur‘ um bei Gott zu sein. Sie wollen ihrer Dankbarkeit Gott gegenüber Ausdruck verleihen und um Hilfe oder Erkenntnis für sich selbst bitten. Typisch für die philippinische Bevölkerung sind alle voller Hoffnung, dass Gott auch weiterhin über sie wacht.

Die Erfahrung an dem Fest des schwarzen Nazareners teilzunehmen, ist für Außenstehende schwer zu verstehen. Pilger berichten, dass sie sich erhoben fühlten, als sie das Seil halten oder die Figur berühren durften – als ob alle Probleme plötzlich verschwunden wären. Einige sagen auch, dass sie eine spezielle Art von Energie spürten, etwas das schwer in Worte zu fassen ist. Und so werden weiterhin Millionen von Filipinos Jahr für Jahr am 9. Januar nach Manila zur Basilika von Quiapo pilgern.

Übrigens; die Veranstaltung hat so einen großen Stellenwert, dass sie jedes Jahr auch im Fernsehen und im Internet live übertragen wird.

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